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Das sagte:
Adrian Holmes, Texter

«Die Engländer mögen es nicht, wenn man ihnen etwas verkaufen will. Das Wesen der Werbung entspricht nicht unserer reservierten Natur. Engländer lieben Charme und einen subtilen, entwaffnenden Humor, was den Prozess des Verkaufens akzeptabel und schmackhaft macht. Es gibt heute viele Auftraggeber in Grossbritannien, die das verstehen und gute Werbung ermöglichen.»

«Dialog findet fast nicht mehr statt. Es ist, als ob man an einem Piano die schwarzen Tasten entfernt hätte und nun nur auf den weissen spielte.»

«Die meisten Verleger in Grossbritannien haben in den letzten Jahren keine Markenwerbung betrieben. Es gibt nur wenige, die in ihrer Werbung ein Statement abgeben und sagen, wofür ihre Zeitung steht. Stattdessen reiben sie sich üblicherweise in Preiskämpfen und Verkaufsförderungen auf und betreiben Bingo-Games und andere Wettbewerbe, bei denen man schöne Reisen gewinnen kann. Aber dadurch bilden sie nur eine unbeständige Kundschaft ohne Markentreue heran. Was wir für The Independent beabsichtigten, war ein starkes Marken-Statement, denn letztlich verkauft man eine Zeitung besser durch Respekt und Glaubwürdigkeit als durch Bingo-Games.»

«Smirnoff-Wodka sollte positioniert werden als reiner, unverfälschter Drink, der aber eine gewisse Erregung, einen Reiz beinhaltet, in der Art von ‘exploring the forbidden’. Es gab also für die Umsetzung zwei Elemente, die wir zusammenbringen mussten: einerseits die Reinheit des Wodkas, anderseits die Spannung. Also starrte das Kreativteam aus dem Fenster – da gibt es übrigens einen Witz: Warum starren Kreative morgens nicht aus dem Fenster? Damit sie auch nachmittags etwas zu tun haben. – Sie starrten aber auch durch die Smirnoff-Flasche und bemerkten, dass Flasche und Wodka absolut durchsichtig sind. Durch Smirnoff erhält man also den Durchblick. Aber wo blieb die Spannung? So überlegten wir uns, die Flasche in einen Kontext zu stellen, in eine Szene. Eine ganz alltägliche normale Szene, doch durch die Flasche betrachtet, ereignet sich eine ganz unglaublich überzeichnete Geschichte. Diese kreative Idee ist wie eine Tür mit einem endlosen Korridor dahinter. Man kann sich unzählige Umsetzungen ausdenken.»

«Den jungen Kreativteams sage ich jeweils, dass man sich ein leichtes Leben machen kann, wenn man in der Kampagne ausdrückt, was der Kunde ausgedrückt haben will. Aber man kann es auf eine Art und Weise ausdrücken, die interessant ist, vielleicht mit Humor oder sogar Ironie, immer aber sollte man subtil sein. Wenn man direkt verkaufen will, erzeugt man nur Verlegenheit und Abwehr. Im besten Fall entsteht eine Art Verschwörung zwischen dem Werbefilm und dem Zuschauer: ‘Ich weiss, was du mir verkaufen willst, du weisst, was du mir sagen willst, haben wir beide Spass daran, so werde ich dein Produkt kaufen.»

«Mein Bruder ist ein bekannter Schriftsteller in England. Er schreibt Biografien von Leuten, die während der Romantik lebten, Shelley and Coleridge. Ich bin ein Werbetexter, ich schreibe, um zu verkaufen, selten mehr als 150 Worte. Für meinen Bruder wäre das so ungefähr eine Fussnote. Texter erleben einen schockähnlichen Zustand, wenn sie mehr als zwei Seiten schreiben müssen. Ich habe keine Ambitionen, Schriftsteller oder Drehbuchautor zu werden. Nur sehr wenige Texter schaffen das. Salmon Rushdie war, bevor er die Satanischen Verse schrieb, ein Copywriter. Texter werden eher Regisseure als Schriftsteller, zum Beispiel Alan Parker und Paul Weiland.»

«Bei der Arbeit hörte ich Radio und auch die Werbespots, die so schlecht waren, dass ich ständig das Radio anschreien musste. Da kam ich zu der Überzeugung, dass ich besser schreiben konnte als die Radio-Autoren, und machte mich kundig, wer denn dafür verantwortlich sei. Dabei fand ich heraus, dass es hierfür eigens Firmen gab, die sich Werbeagenturen nannten, und als ich bei einer vorbeiging, traf mich der Blitz. Das wollte ich machen: Anzeigen, Poster, Filme, Radiospots. Das Portfolio, das ich damals zeigte, verwahre ich heute verschlossen auf dem Estrich, damit es niemand findet und es mich doch an meine Wurzeln zurückerinnert. Ich hätte mich keinesfalls angestellt, aber es fand sich ein Mentor.»

«Heute haben viele Agenturen eine offene, kreative Geisteshaltung. Im weiteren bin ich froh, dass London die unheilige Liebesbeziehung mit der Computergrafik beendet hat. Statt Special Effects zählt wieder die gute Idee.»