Warum sind so viele AdWords-Anzeigen so schlecht?

Ich begegne öfters AdWords-Anzeigen, die mich sauer machen. Sie haben entweder nur entfernt mit meiner Suchanfrage zu tun. Oder nicht das Geringste. Wie kann das passieren, wo doch angeblich Relevanz das Google-Mantra ist?

Heute war ich auf Google und tippte spasseshalber ein: „canon c100 kaufen“  – ich spiele mit dem Gedanken, diese Filmkamera anzuschaffen. Sie ist klein, leicht und kann alles was ich brauche. In Top-Qualität.

Hocherfreut nahm ich den Preis unter den eingeblendeten AdWords-Ads zur Kenntnis. Wow, nur noch rund CHF 2000, da gab’s ja einen schönen Preisrutsch nach unten, schoss mir durch den Kopf.

Doch halt, sahen irgendwie komisch aus, die gezeigten Kameras. Beim genaueren Hinschauen entdeckte ich dann: Die Ads bewarben keineswegs die C100. Sondern eine völlig andere Kamera: die XC10.

Grmpf! Was tut der geneigte Google-Nutzer in einem solche Falle: Er verfeinert den Suchlauf.

Ich änderte also das schon ziemlich spezifische „canon c100 kaufen“ in „canon c100 mark ii kaufen bern“ – was an Deutlichkeit nun wirklich rein gar nichts mehr zu wünschen übrig lässt.

Aber auch hier: Die Ads im Top-Slot (diejenigen über den organischen Suchtreffern) waren nicht nur nicht hilfreich, sondern mehr noch: störend.

Die Ads hatten eindeutig nichts und wieder nichts zu tun mit meiner hochspezifischen Suchanfrage. Nein, Google, wenn ich “Canon” eingebe, will ich keine Leica kaufen. Und nein, wenn ich ein präzises Kamera-Modell eingebe, will ich keine generischen “günstigen Angebote” sehen. Ich musste die Ads erst wegscrollen, um zu passenden, unbezahlten Suchtreffern zu gelangen.

Wie kann das sein? Wie kann sowas passieren?

Liegt es an den werbetreibenden Unternehmen, die ihre Ads nicht genau genug auf die Suchanfragen ausrichten? Mit Sicherheit ja.

Liegt es auch an Google selbst? Mit ebensolcher Sicherheit ebenfalls ja. Google ist sehr gut darin, in den organischen Suchtreffen nur die wirklich relevanten Treffer anzuzeigen. Dasselbe Unternehmen soll nicht in der Lage sein, unrelevante Ads auszufiltern – und lieber mal keine Ads anzuzeigen als unnütze? Doch eher unwahrscheinlich. Welches die wahren Gründe für die Nichtfilterung sein könnten: Darüber schweigt des Schreibers Höflichkeit…

2006 werden Larry und Sergey folgendermassen zitiert:

Despite their initial hesitations, they (die Google-Gründer) finally decided to experiment cautiously with ads. The placement of an ad would be based on its relevance to a particular search query. „Our theory was, well, we’ll try this for a while“, Larry recalled later.

Wann hat G aufgehört, bei den Ads Relevanz als Mass aller Dinge anzulegen? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass es ich es schade und stossend finde, sind so viele AdWords-Anzeigen so schlecht.

Ich helfe in meinem beruflichen Alltag Unternehmen, AdWords wirksam zu nutzen. Es wäre schön, Google selbst würde ein wenig tatkräftiger mithelfen!

PS: Über die hier bemängelte Relevanz hinaus gibt es noch mehr zu tun, um AdWords-Anzeigen erfolgreich zu machen. Die Ads müssen bsp. auch passende Argumente enthalten und überhaupt erst auf sich aufmerksam machen. Mehr dazu andermal:-)

Comments

  • virtualsky

    October 15, 2017 at 5:24 pm

    Sehr schön geschrieben, danke. Spricht mir voll aus dem Herzen.
    Google schneidet sich damit selber ins Fleisch, denn sie fördern damit nur den Unmut der Konsumenten der Werbung gegenüber.

  • Aurel Gergey

    October 15, 2017 at 5:39 pm

    …danke. Leider schneidet Google damit nicht nur sich selbst ins Fleisch –
    sondern auch engagierten Unternehmen, die ihre tollen Angebote gerne wirksam publik machen möchten. Was wiederum das Gesamt- und Gemeinwohl beeinträchtigt…

  • babbo

    August 31, 2018 at 2:25 pm

    Da ich sehr oft suche, aber selten ein exakt bestimmtes Produkt, bin ich froh, wenn mir eine Reihe von Möglichkeiten angezeigt wird – es kann günstigeres geben, das auch besser ist .

    Es ist sehr eigenartig, dass – falls du ein Produkt exakt definierst – viele Produkte mit ähnlicher Leistung angeboten werden. Deshalb dürften die meisten Katalologe ohne Preis sein. Die angebotene Reihe ähnlicher Produkte (ohne Angabe der Katalognummer!) fördert dagegen die Preis- und Qualitätskonkurrenz. Die Preise bestimmt nicht Google, sondern der Lieferant, der zugleich Auftraggeber von Google ist.

    Und, seien wir ehrlich, es ist für einen Nichtfachmann unverständlich, dass für das gleiche Produkt so grosse Preisunterschiede bestehen können. Ja, das ist gewiss ein Dilemma, das aber wahrscheinlich unvermeidbar ist, da die meisten Konsumenten von Google für ein breiteres Angebot sogar dankbar sind.

  • Aurel Gergey

    August 31, 2018 at 6:37 pm

    Interessante Betrachtungen. “Vor Google sind alle gleich”, sag ich dann jeweils, als tröstliche Anmerkung…

  • Vit Fejfar

    September 2, 2018 at 12:17 pm

    Google ist seit neuem Jahr “kapitalistisch” geworden. Wenn ich was technisches wissen möchte, bin ich von Reklamen und Kaufangeboten überhäuft. Erst ganz unten beim Scrollen finde ich Wikipedia, oder technische Antworten auf meine Fragen.

  • Aurel Gergey

    September 2, 2018 at 9:32 pm

    Hat was. Wobei ich nicht grundsätzlich was gegen Kommerz habe. Wenn es denn guter Kommerz ist. Ist es bei Google leider nicht mehr immer.

  • Alex

    October 12, 2018 at 10:06 pm

    Etwas Offtopic:
    “2006 wird Larry Brin folgendermassen zitiert” – war es Sergey Brin oder Larry Page oder bide gemeint?

  • Aurel Gergey

    October 12, 2018 at 10:49 pm

    Danke, korrigiert (und Originalstelle verlinkt).

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