Warum ich Google Ads treu bleibe (vorderhand)

Google Ads bzw. früher: Google AdWords ist die kürzeste Verbindung von Angebot und Nachfrage. Dieser Mechanismus hat mich vom ersten Moment an fasziniert – und 2004 bewogen, vom klassischen Werbetexter zum Google Ads-Texter zu werden. Ich bin immer noch eng befreundet mit Google Ads, wenngleich sich die Beziehung in letzter Zeit leicht eingetrübt hat.

Der vermutete Share of Search von Google – siehe Grafik – ist einer der Hauptgründe, warum ich mich Google Ads immer noch zugeneigt fühle. Da bin ich ganz offen. Wer gewinnen will, muss mit dem Sieger zusammenspannen (oder, enthysterisiert: Wer im Markom überleben will, tut gut daran, sich auf einen lebensfähigen Channel einzuschiessen). Der Gewinner ist im Search nun mal Google. Präzise Zahlen sind schwer zu bekommen; die Grafik von MOZ und Rand Fishkin ist das Interessanteste, was ich fand. Hier hat G über 80% Share of Search.

Nicht wenige meiner Branchenkollegen scheuen sich, Google in die Selbstbeschreibung mit aufzunehmen. Sie bezeichnen sich als “Online Marketing-Spezialisten”, “Performance Marketeers” und Ähnliches. Versteh ich nicht. Warum sich von etwas distanzieren, was man ist? Ich mag Google Ads, bekenne mich darum zu ihnen und stelle mich vor als “Google Ads-Texter”.

Kann man auf mehreren Channels gleichzeitig tanzen? Beispielsweise neben Google Ads auch auf Bing, Amazon, Linkedin oder wo auch immer Suchläufe zu Werbezwecken verwendet werden können? Vielleicht. Ich möchte das nicht tun müssen. Find’s schon anstrengend genug, bei Google Ads auf dem Laufenden zu bleiben. Das letzte Google Beta-Vorschaudokument auf kommende Features (vom April dieses Jahres) umfasste 46 Seiten und ganze 38 Neuerungen. Irgendwie irre. Wer erfindet das alles? Hat Google auf dem Mars ein Erdloch vergraben und versteckt dort einen Haufen verrückter Suchwissenschaftler?

Aber: Nur 12 dieser vielen neuen Funktionen finden sich bei Search, meiner Lieblingsecke von Google Ads. Dass G viel Energie in die Non-Search-Bereiche von Google Ads pumpt, ist nachvollziehbar – G muss wachsen und kann das bei Search nicht mehr: die Menge der Suchläufe ist endlich -, aber die Penetranz, mit der Werbung auf Display und Youtube durchgedrückt werden soll: Die finde ich schon etwas unangenehm. Dennoch oder gerade darum gilt…

Auf Google Ads zu setzen, minimiert mein unternehmerisches Risiko. Das ist meine erste Priorität. Ausbau des Erfolgs ist erst die zweite Priorität. Die Risikominimierung dürfte voraussichtlich langfristig sein, denn allen taktischen Turbulenzen zum Trotz fliesst das Öl nach wie vor ungehindert. Meint: die Anzahl Suchanfragen bei Google ist immer noch ultrahoch. Ich helfe Unternehmen, dieses Rohöl a) zu fördern und b) zu raffinieren.

Jeder Vergleich hinkt irgendwo, schon klar. Nur überwiegt beim Rohöl-Vergleich für mich das Nichthinken. Die Suchanfragen existieren, aber wenn ich nicht weiss wie sie richtig anzapfen und wie sie ressourcenschonend in bezahlende Kunden zu verwandeln: Dann sind sie wenig wert. Bis nichts.

Die zentrale Frage ist, bleibt die Anzahl Suchanfragen bei Google hoch? Hoch genug. Und wenn ja, wie lange. Der interessanteste mir bekannte Artikel dazu stammt von Brad Geddes. Er zündelt:

“We have a high level of traffic that is being shared by many websites. But in many cases, it isn’t growing. This situation as defined in the product cycles is the 3rd phase, which is the Maturity stage. The full list of stages are: product introduction, growth, maturity and decline….”

Und: “…the days of one search engine for all types of searches are ending. Just like any other product or advertising media for that matter (even when newspapers try to negate the laws of nature), there comes a time when other better forms of a product emerge that replace that of contemporary ones. This always happens – it might be a better search engine or just the rise of hundreds of specialized search engines as we are already seeing with Amazon for products… It is only a matter of time.”

Einverstanden. Aber: Der Decline dürfte noch nicht allzu bald kommen. Darauf wette ich. G setzt sich mit aller Power dafür ein, dass es noch sehr, sehr lange dauern wird. Meine Wettchancen stehen glaub’s nicht schlecht. Auch angesichts der aktuellen Machtverhältnisse. Siehe die Grafik weiter oben.

Und ja, Amazon tut Google weh. “Google’s search market share has seen a decline each year from 88 percent in 2011 to 78 percent in 2016…Forrester says Amazon is exploiting Google’s “weakness” in online shopping, as shoppers are increasingly starting their product searches on Amazon instead of Google.” Meint AdAge.

Nur interessiert mich dieses Marktsegment – Ecommerce – halt nicht so sehr, also ist mir dieser Einbruch ziemlich egal. Ich mach vor allem erklärungsbedürftiges Leadgen und SAAS. Dennoch betrachte ich das partielle Schwächeln von G natürlich mit Sorge. Was, wenn das einreisst – auch andernorts?

Und, von wegen Leadgen und SAAS: Etwas wird oft missverstanden. Einige meinen, ich hätte mich auf Google spezialisiert, weil ich Google als starke Marke gut finde, als führendes Unternehmen. Falsch. Ich habe mir die beste Lösung rausgepickt – und das ist nun mal Google Ads. Und zwar in vielen Märkten. Gerade dann, wenn man etwas nur selten kauft (etwa: Umzugshelfer) oder wenn man was Hochspezifisches sucht (etwa: E-Recruiting-Software). Sobald Google Ads hier zurückfällt, wechsle ich den Anbieter. Gibt keine Anzeichen dafür, dass das bald geschehen wird.

Auch auf dem Radar zu behalten: “…while Amazon Alexa seems to be the leader in terms of voice search, I would definitely not count Google out of that segment. Google could turn out to be the dominant player in the voice category and gain market share right away.” Selbe Quelle wie oben.

Also. G ist immer noch der grosse Gorilla im Raum. Bzw. der grösste. Für mich gibt es keinen Grund, mich nach einem anderen beruflichen Habitat umzusehen. Im Moment.

Zum Weiterlesen: 21 liebenswerte Eigenschaften von Google AdWords

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