50 Millionen Gründe, auf YouTube zu werben?

Wer mich kennt, der weiss: Ich bin Googles Heilsversprechen gegenüber  – gerade was Werbung auf Youtube betrifft – kritisch eingestellt. Vielleicht bald ein bisschen weniger.

Wohlwollend kritisch natürlich. AdWords is „the world’s greatest piano“, meinte Perry Marshall mal. Ich liege mit meiner Einschätzung nahe an dieser Aussage.

Mein Standpunkt bislang: Wären die Videos auf YouTube hochwertiger/professioneller produziert, wäre das Umfeld für Werbung besser geeignet. Denn: Reichweite ist nicht gleich Sichtbarkeit und Sichtbarkeit ist nicht gleich Wirkung. Der Imagetransfer von Medium auf Marken ist ein zentrales Wirkungselement der Werbung.

Nun lese ich in einem Artikel von omr.com: „Während sich viele TV-Sender immer noch zu zieren scheinen, Inhalte nicht nur in der eigenen Mediathek, sondern auch auf Youtube zu veröffentlichen, erzielen einige Formate dort bereits über 50 Millionen Views pro Monat.“

Gilt für Deutschland. Und weiter: „Zwar bleibt der Fernsehkonsum insgesamt aller Untergangsszenarien zum Trotz seit einigen Jahren konstant. Das liegt aber vor allem an einem erhöhtem Konsum der älteren Zielgruppen – die für viele Advertiser besonders attraktive Kernzielgruppe der 14- bis 29-Jährigen wandert verstärkt zu Streaming-Diensten (Netflix, Amazon Prime, Dazn usw.), Mediatheken der Sender und Plattformen wie Youtube ab…die Tendenz, dass immer mehr TV-Sender einzelne oder mehrere Formate teilweise in voller Länge bei Youtube zur Verfügung stellen, dürfte die Abwanderung der Zuschauer nicht unwesentlich verstärken.“

Der Artikel zitiert auch Veescore-Gründer Christoph Burseg. Mit seinem  Youtube-Analyse-Tool wertet er regelmässig aktuelle Entwicklungen und Trends auf der Video-Plattform aus. Burseg: „Am Ende tragen Sender so auf jeden Fall stark dazu bei, dass die Zuschauer vom Fernseher zu Youtube wechseln. Der Bereich wächst aktuell extrem stark. Und so schaffen die Sender nicht nur riesige Reichweiten, sondern auch im Vergleich zum Fernsehen super günstiges Inventar mit einer vermutlich sehr ähnlichen Zielgruppe.“

Grundsätzlich interessante Entwicklung. Wenn Burseg jedoch sagt: „Der durchschnittliche Cost-per-View lag bei einer Aufrufrate von 17 Prozent bei 0,04 Euro. Wir hatten täglich einige hundert Aufrufe…“, dann bleibe ich skeptisch. Offenbar geschehen über 50% der Bannerklicks versehentlich – das ist zu sehen in Verbindung mit der Banner Blindness, einem sehr realen Phänomen (die durchschnittliche Banner-CTR beträgt aktuell in Deutschland beispielsweise nur noch 0.16%).

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